Im Interview:

Dr. Antonius Hamers

Dr. Antonius Hamers wurde im Jahr 2008 in Münster zum Priester geweiht. Seit 2014 leitet der 50-Jährige das Katholische Büro in Düsseldorf. Dieses vertritt die nordrhein-westfälischen Bistümer auf Landesebene. Im Januar 2020 wurde Dr. Hamers von Bischof Dr. Felix Genn als residierender Domkapitular in das Domkapitel des St.-Paulus-Doms Münster berufen. Seit dem 16. Juni 2020 ist Dr. Hamers Aufsichtsratsvorsitzender der DKM, nachdem er bereits 2017 von der Generalversammlung in den Aufsichtsrat gewählt wurde.

Im Interview mit »Kirche und Leben«, der katholischen Wochenzeitung für das Bistum Münster, hat Dr. Hamers Fragen zur DKM und zu seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender beantwortet:

Dr. Hamers im Interview

Kirche und Geld – häufig gibt es genau in diesem Zusammenhang Kritik. Und eine Bank ist doch dazu da, Geld zu erwirtschaften, oder?

Dr. Hamers: Kirche und Rendite schließen einander nicht aus. Das Geschäftsmodell der DKM zielt nicht auf Gewinnmaximierung ab; wenn überhaupt, dann kann man von »Gewinnoptimierung« sprechen. Daher ist die DKM auch als Genossenschaftsbank errichtet worden. In dieser Rechtsform ist sie der Förderung ihrer Mitglieder und Kunden verpflichtet. Wie alle Genossenschaftsbanken muss daher auch eine Kirchenbank zur Erfüllung ihres Förderauftrages Gewinne erzielen und benötigt außerdem wie jede andere Bank Gewinne zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis. Der Genossenschaftsgedanke steht bei der DKM bis heute im Vordergrund. Kundeneinlagen werden zum großen Teil dafür verwendet, Vorhaben von kirchlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Altenheimen oder Schulen zu realisieren. Außerdem stellt der innerkirchliche Geldkreislauf auch sicher, dass kirchliche Einrichtungen mit Liquidität versorgt werden können.

Woher kommt denn die Genossenschaftsidee?

Dr. Hamers: Die Genossenschaftsidee kommt bereits aus dem Mittelalter. Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen und um sich gegenseitig zu unterstützen. In Deutschland haben Schultze Delitsch und Raiffeisen die Genossenschaftsidee im 19. Jahrhundert weiterentwickelt und Grundlagen für ein Genossenschaftswesen gelegt, die auch heute noch relevant sind – z. B. für Genossenschaftsbanken und Warengenossenschaften. Der Grundgedanke der Genossenschaft steht für Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Diese solidarische Grundhaltung ließ eine Kultur der gegenseitigen Verantwortung und der Nachhaltigkeit des Geschäftsbetriebes entstehen. Das sind Traditionen und Wertevorstellungen, die sich auch in der katholischen Soziallehre wiederfinden. Egoismus und Gier passen nicht zu einer Genossenschaft.

Für Papst Franziskus ist Solidarität ein zentrales Anliegen der Soziallehre. Die Soziallehre der Kirche akzeptiert nicht, dass »die Gewinne allein dem gehören sollen, der produziert und dass die soziale Frage dem Staat, den Hilfsorganisationen und den Freiwilligendiensten überlassen wird«. Genau aus diesem Grund ist das Wort Solidarität ein Schlüsselwort der Soziallehre.

Papst Benedikt XVI. fordert in »Caritas in Veritate« (2009) eine Reform des Finanzwesens und betont das Modell der Kreditgenossenschaften als Beispiel einer gerechten Wirtschaftlichkeit. Damit würdigt der Papst ausdrücklich die Geschäftsphilosophie der Genossenschaftsbanken, deren vorderstes Ziel die wirtschaftliche Unterstützung ihrer Mitglieder ist und nicht die reine Gewinnmaximierung.

Damit stellen sich beide Päpste in eine franziskanische Tradition: Die ersten Bankhäuser für kleine Leute haben im 14. Jahrhundert die Franziskaner in Oberitalien gegründet.

Warum nennt sich die DKM seit dem vergangenen Jahr nicht mehr Bank, sondern »Partner für Kirche und Caritas«?

Dr. Hamers: Die DKM ist letztlich als Selbsthilfeeinrichtung für Kirche und Caritas gegründet worden. Wir werden künftig immer mehr Dienstleistungen anbieten, die über das Bankgeschäft hinausgehen und damit neue Unterstützungsangebote für Kirche und Caritas schaffen. Wir wollen unseren Kunden Nutzen stiften und haben gesehen: Es gibt viele Felder, wo wir den Kunden noch Mehrwerte bieten können. Dieser Gedanke passt auch zu den anstehenden Veränderungen, die die beiden christlichen Kirchen in Deutschland betreffen: Der dramatische Rückgang der Kirchensteuer und gesellschaftskritische Diskussionen, die auch – aber nicht nur – durch die Missbrauchsskandale ausgelöst wurden, führen dazu, dass in kirchlichen Institutionen vieles auf den Prüfstand gestellt wird. Nehmen Sie beispielsweise die kirchlichen Immobilien: Hier muss vieles überprüft und neu geplant werden. Und dazu brauchen wir starke Partner, die sich im kirchlichen Kontext auskennen und Einrichtungen aus Kirche und Caritas beraten und unterstützen können.

Ein weiteres Beispiel ist die Personalgewinnung und -bindung. Katholische Einrichtungen in der Alten- und Krankenhilfe oder in der Kinderbetreuung stehen mit anderen Trägern im Wettbewerb um qualifizierte sowie motivierte Arbeitskräfte. Hier kann die DKM zukünftig Dienstleistungen anbieten, die genau auf die Bedürfnisse von Kirche und Caritas abgestimmt sind.

Als Aufsichtsratsvorsitzender möchte ich gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Aufsichtsrates dazu beitragen, dass die Angebote der DKM sich auch zukünftig daran orientieren, wofür diese Bank ursprünglich gegründet wurde: Die Förderung der Mitglieder und Kunden. Und das bezieht sich schon lange nicht mehr nur auf Finanzdienstleistungen, sondern geht heute weit darüber hinaus.